Telefonieren für Hörbehinderte: Skype - auch mit Untertiteln

Skype-LogoHeute möchte ich mal auf eine Sache hinweisen, die es schon lange gibt: Skype.

Skype ist eine Telekommunikationsanwendung für Videochat, Telefonie und Sprach- und Textnachrichten zwischen Computern, Smartphones und einigen Spielkonsolen (Xbox). Skype ist eine europäische Entwicklung und gehört seit 2011 zu Microsoft.

Skype wird Monat für Monat von über 300 Millionen aktiven Nutzern weltweit genutzt. In der Community der Gehörlosen wird Skype ganz selbstverständlich für die Videotelefonie genutzt - sowohl am PC, am Laptop als vor allem auf dem Smartphone. Die Gehörlosen können via Skype ganz normal gebärden - ein vollwertiger Telefonersatz.

Und wie sieht es beim Rest der deutschen Bevölkerung aus? Im privaten Bereich scheint Skype bei den Schwerhörigen nur sehr spärlich verbreitet zu sein. In Firmen und Unternehmen sieht es noch finsterer aus.

Telefonieren kann ich nicht, wie viele der hochgradig Schwerhörigen. Daher biete ich bei dienstlichen Mailkontakten immer die Skypekommunikation an, weil sich im 1:1-Gespräch die meisten Sachen effizienter und zeitsparender klären lassen als in tage- oder wochenlangem Mail-Hin-und-Her. Und nicht zu unterschätzen ist, daß die Gesprächspartnerin zu sehen ist. Aber das Angebot wird meist freundlich abgelehnt ("Bleiben wir doch lieber bei E-Mail", "Ich habe kein Skype auf meinem Computer", "Da müßte ich erst unseren Admin fragen" usw. usf. ), oder ignoriert.

Deutschland in der Telefonie-Steinzeit - VoIP hin oder her?

Ich habe bislang erst einmal erlebt, daß sich eine Kontaktperson Skype hat installieren lassen, um mir Videotelefonie zu ermöglichen (obwohl sie nach eigener Aussage eine digitale Analphabetin ist!). Sie kam sehr schnell damit zurecht und wir konnten unser Projekt in einer halben Stunde durchsprechen und auf den Weg bringen. Mit Mail wäre es weitaus komplizierter gewesen. Auch im privaten Bereich bin ich nur mit den wenigsten per Skype verbunden, und diese wenigen sind ausnahmslos nicht-schwerhörig.

Dabei hat Skype hat ein entscheidendes Feature: Ich kann mir das vom Gesprächspartner Gesprochene als Live-Untertitel anzeigen lassen. Gemeinsam mit dem Ablesen habe ich damit bisher jede Kommunikation meistern können. Bei guten Verbindungen komme ich mit dem Ablesen alleine aus.

Zur sogenannten Inklusion gehört einfach auch die Möglichkeiten zu nutzen, die es gibt, um hörbehinderten Mitmenschen die Kommunikation weitgehend zu ermöglichen. Wenn ich über Skype videotelefonieren kann, dann habe ich die Kommunikation im Griff. Wenn es über Mail geht, ist das nur teilweise der Fall - oft genug rufen "meine" Gesprächspartner dann Kollegen an (weil es per Mail dann doch zu beschwerlich ist) und klären den Sachverhalt mit ihnen ab. Ich bekomme von diesen dann das Gesprächsergebnis vorgesetzt. Das ist keine Inklusion mehr, sondern geht mehr in Richtung Fremdbestimmung. Und genau davon will man mit Inklusion ja auch wegkommen.