Gutes Hören – Der Schlüssel zu mehr Lebensfreude und sozialer Teilhabe

Eine Person hat sich die langen Haare als Zopf zusammengebunden, sodass man das Hörgerät am Ohr erkennen kann. Die Person scheint sich fröhlich mit zwei anderen Personen zu unterhalten.
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„Wie fühlen Sie sich?“ - die Antwort auf diese Frage kann mehr mit unserem Gehör zu tun haben, als sich zunächst vermuten lässt. Denn wenn der Hörsinn aufgrund einer Schwerhörigkeit gemindert ist, beeinflusst dies unser tägliches Leben und kann weitere Gesundheitsrisiken bergen. Bleibt eine Schwerhörigkeit unbehandelt, führt dies zu einer deutlich höheren Anstrengung des Gehirns, um aus dem wahrgenommenen Schall z.B. Musik oder wichtige akustische Signale von störenden Geräuschen zu unterscheiden oder Sprache in sinnhafte Zusammenhänge zu bringen. Die aufgrund einer Schwerhörigkeit gestiegene Höranstrengung kann sprichwörtlich aufs Gemüt schlagen und die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Daher steht die mentale Gesundheit im Fokus des Welttags des Hörens 2025.

„Hören“ ist weit mehr, als nur das Wahrnehmen von Schall – es ist der Schlüssel zu mehr Lebensfreude, Kommunikation mit anderen Menschen und zur aktiven Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Menschen, die schlecht hören, meiden zunehmend Telefonate und Gespräche in Gruppen. Ein intakter oder gut versorgter Hörsinn bewahrt daher auch vor sozialer Isolation. Hören ist zudem eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe im Beruf und im Privatleben. „Eine nicht ausreichend versorgte Schwerhörigkeit kann immense Auswirkungen auf die Gesundheit eines Menschen haben. Einerseits kann es zu einer fünf- bis sechsmal höheren Sturzwahrscheinlichkeit kommen, denn gerade bei einer einseitigen Ertaubung fehlt die räumliche Orientierung“, erklärt Dr. Veronika Wolter, Chefärztin der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Helios Hörklinik Oberbayern in München.

Unbehandelte Schwerhörigkeit belastet mentale Gesundheit

Dr. Veronika Wolter weiß aufgrund der Erfahrungen mit Patienten in ihrer Klinik, dass eine unversorgte Hörminderung gravierende Folgen in jedem Alter zeitigen kann: „Auch bei jüngeren Menschen kann es zu erheblichen Auswirkungen im sozialen Bereich kommen. Viele Patienten neigen zu Depressionen, gesellschaftlicher Isolation oder Arbeitsunfähigkeit“, so Dr. Veronika Wolter weiter.

Und Frau Dr. Wolter ergänzt: „Betroffene selbst wissen oft nicht, wie schlecht sie tatsächlich hören. Deshalb ist es in der Regel auch so, dass das Umfeld die Veränderung zuerst bemerkt. Betroffene spüren, wie sehr Hören sie anstrengt, was sich in Aggressionen äußern kann. Denn es macht wütend, wenn man in einem Gespräch mit mehreren Personen zweimal nachfragt und das Gesagte immer noch nicht verstanden hat. Das wiederum verärgert auch die Betroffenen selbst und wirkt sich zudem auf das Umfeld negativ aus.“

Eine erfolgreiche Behandlung der Hörminderung wirkt sich hingegen positiv sowohl auf das Privat- als auch das Arbeitsleben aus. Das bestätigt auch Dr. Matthias Rudolph, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: „Einerseits durch die Verbesserung im Hörvermögen selbst, was die soziale Integration wiederum fördert. Andererseits verbessert sich die Stimmung; Betroffene haben wieder mehr Antrieb. Das wirkt sich natürlich auf das Privatleben aus. Man trifft sich wieder mehr mit Freunden und Bekannten, geht wieder aus, ins Kino oder ins Theater. Und am Berufsleben kann man wieder teilhaben und ist integriert.“ So berichten 96 Prozent der Hörgeräte-Träger laut der EuroTrak Germany-Studie 2022 von einer höheren Lebensqualität, seitdem sie ihre Schwerhörigkeit haben versorgen lassen. Etwa 60 Prozent der Befragten bedauern rückblickend, dass sie diese Versorgung zu lange aufgeschoben haben.

Hörgesundheit: Gute Hörgesundheit für mehr Lebensqualität– ein Hörtest gibt sofort Antworten

Unsere mentale Verfassung bedingt ganz wesentlich unsere allgemeine Leistungsfähigkeit und unser gesamtes Wohlbefinden. Externe Belastungen können wir nur begrenzt beeinflussen. Unsere Hörgesundheit haben wir jedoch selbst in der Hand, denn Schwerhörigkeit ist behandelbar. Wieder gut hören zu können wirkt sich positiv auf unser Gemüt aus. Nur wenige medizinische Untersuchungen sind zudem so einfach und schnell durchführbar wie ein Hörtest beim HNO-Arzt oder Hörakustiker.

Wer über einen längeren Zeitraum verstimmt ist, Schlaf-, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme hat oder an psychischen Erkrankungen leidet, sollte unbedingt sein Gehör beim HNO-Arzt oder Hörakustiker testen lassen. Möglicherweise stehen die Symptome in Zusammenhang mit einer unbehandelten Schwerhörigkeit. Je früher diese erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Wer zu lange wartet, riskiert, dass das Gehirn verlernt, bestimmte Geräusche zu erkennen, zu unterscheiden und Sprachinhalte zu verarbeiten.

Der einfache Weg zu gutem Hören

Gesetzlich Krankenversicherte, bei denen ein HNO-Arzt eine Hörminderung diagnostiziert und Ihnen Hörgeräte verordnet hat, erhalten diese bereits ohne eigene Aufzahlung. Lediglich die Rezeptgebühr fällt an. Hörakustiker beraten zu individuellen Anforderungen im beruflichen und privaten Alltag. Unterschiedliche Hörsysteme können zunächst gründlich getestet werden, bevor man sich für bestimmte Modelle entscheidet.

Zu Beginn können sich Geräusche, die man lange Zeit nicht mehr gehört hat, oder sogar die eigene Stimme, laut und unangenehm anhören. Das Gehirn muss sich erst wieder an das verbesserte Hören gewöhnen. Wichtig ist dabei, Hörsysteme über die Anfangszeit hinaus möglichst nicht nur in Bedarfssituationen, sondern den ganzen Tag über zu tragen. In kleinen, praktischen Ladestationen können Akku-Hörgeräte über Nacht wie ein Smartphone geladen werden.

(Pressetext freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch den BVHI anlässlich des Welttags des Hörens am 03. März 2025)