Ein Blick hinter die Masken des Nürnberger Schembartlaufs

Flyer mit der Aufschrift 'FASTNACHT' und einer Illustration einer historischen Figur in bunter Kleidung mit Federhut, daneben eine Postkarte mit einer historischen Tanzszene und ein Museumseintrittsticket
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Am 29.01.26 durften wir mit einer Gruppe von 17 Menschen mit und ohne Hörbehinderung eine Führung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erleben. Dank unserer mitgebrachten induktiven Höranlage konnten alle Teilnehmenden der Führung durch die Sonderausstellung „Fastnacht. Tanz und Spiele in Nürnberg“ aufmerksam und gut verständlich folgen.

Die Ausstellung nimmt die Besuchenden mit in die faszinierende Welt der „fünften Jahreszeit“, die Menschen schon seit Jahrhunderten begeistert. Nürnberg entwickelte sich im Spätmittelalter zu einer echten Fastnachtshochburg. Passend zum 975-jährigen Stadtjubiläum der Stadt beleuchtet die Ausstellung eine fast 600 Jahre alte Tradition, die Nürnberg weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt hat. Eindrucksvoll war dabei der Blick auf die Fastnachtsspiele, die einst in Wirtshäusern und privaten Stuben aufgeführt wurden, sowie auf den berühmten Schembartlauf des 15. Jahrhunderts. In aufwendigen Kostümen und freundlichen Holzmasken zogen die Läufer in einem prunkvollen Umzug durch die Stadt.

Ein zentrales Element der Ausstellung sind die historischen Schembartbücher, die zahlreiche Zeichnungen der Läufer zeigen. Einzelne modische Details sorgten für Schmunzeln und Aha-Momente: Sehr enge oder extrem weite Hosen, teils mit Schlitzen versehen, waren schon damals en vogue. Der Vergleich mit heutigen Trends wie zerrissenen Jeans drängte sich für einige von uns förmlich auf.

Wissbegierig lauschten wir den Ausführungen unserer Museumsführerin, die uns stets Raum für eigene Bemerkungen und Fragen ließ. Einer unserer Teilnehmer brachte eine feministische Perspektive auf die Tradition ein und wies kritisch darauf hin, dass in den Darstellungen offenbar ausschließlich Männer als Schembartläufer erscheinen. Ein wichtiger Denkanstoß, der dazu einlud, die historischen Inhalte aus heutiger Sicht zu reflektieren.

Im Rahmen der Führung fanden zudem Persönlichkeiten und Werke wie Andreas Osiander sowie das „Narrenschiff“ Erwähnung. Sie verdeutlichen den zeitgenössischen Umgang mit Narrheit, Moral, Religion und Gesellschaft. 

Der Besuch verband historische Tiefe mit lebendigem Austausch und machte die Ausstellung für alle Teilnehmenden barrierearm und gemeinschaftlich erfahrbar.