Seit Ende November 2025 besteht laut Kundeninformationen des Gesunddienstes den National Health Service (NHS) im Vereinigten Königreich ein Engpass bei Hörgerätebatterien der Größe 312 des Herstellers Energizer Training Ltd, die im Rahmen der Versorgung über den National Health Service ausgegeben werden. Betroffen sind insbesondere Nutzende, die ihre Hörgeräte sowie die Batterien des Typs 312 vollständig über den staatlichen Gesundheitsdienst NHS beziehen. Die Batterien sind an dem braunen Farbcode der Verpackung beziehungsweise der Schutzfolie zu erkennen und stellen einen gängigen Batterietyp für kleine bis mittelgroße Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme dar.
Aufgrund eines Lieferengpasses des Herstellers Energizer Trading Ltd werden diese Batterien derzeit rationiert und vielerorts nur noch in begrenzten Mengen bereitgestellt. Für viele Betroffene, insbesondere ältere oder mobil eingeschränkte Menschen, führt dies laut The Times zu zusätzlichen Hürden: Die Batterien müssen beispielsweise teils wöchentlich in NHS-Einrichtungen abgeholt werden, statt – wie üblich – mehrere Packungen auf einmal zu erhalten. Betroffene geben an, dass sie ihre Hörgeräte zeitweise bewusst ausschalten, um die Batterieabnutzung zu verringern.
Zwar ist ein privater Erwerb weiterhin möglich, dieser ist jedoch nicht für alle Betroffenen praktikabel oder finanziell umsetzbar. Die Situation verdeutlicht strukturelle Unterschiede innerhalb der audiologischen Versorgung im Vereinigten Königreich. Während einzelne NHS-Standorte alternative Hersteller nutzen oder Batterien per Post versenden können, existieren keine einheitliche Regelungen und regionale Unterschiede.
Kurzvergleich Deutschland:
In Deutschland erfolgt die Beschaffung von Hörgerätebatterien in der Regel dezentral, weshalb verschiedene Hersteller zum Einsatz kommen. Sollte es zu Lieferproblemen kommen, würden diese unserer Einschätzung nach voraussichtlich eher lokal oder betriebsspezifisch auftreten.
Quellen:
NHS Supply Chain. (2026, 19. Januar). Supply Issues Energizer Trading Ltd Hearing aid battery GHD85530. https://www.supplychain.nhs.uk/icn/supply-issues-energizer-trading-ltd-hearing-aid-battery-ghd85530-2/
The Times (2026, 26. Januar). Deaf forced to turn off hearing aids amid NHS battery shortage. https://www.thetimes.com/article/2a872186-244d-4781-bee9-f24c15cc9640
Am 29.01.26 durften wir mit einer Gruppe von 17 Menschen mit und ohne Hörbehinderung eine Führung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erleben. Dank unserer mitgebrachten induktiven Höranlage konnten alle Teilnehmenden der Führung durch die Sonderausstellung „Fastnacht. Tanz und Spiele in Nürnberg“ aufmerksam und gut verständlich folgen.
Die Ausstellung nimmt die Besuchenden mit in die faszinierende Welt der „fünften Jahreszeit“, die Menschen schon seit Jahrhunderten begeistert. Nürnberg entwickelte sich im Spätmittelalter zu einer echten Fastnachtshochburg. Passend zum 975-jährigen Stadtjubiläum der Stadt beleuchtet die Ausstellung eine fast 600 Jahre alte Tradition, die Nürnberg weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt hat. Eindrucksvoll war dabei der Blick auf die Fastnachtsspiele, die einst in Wirtshäusern und privaten Stuben aufgeführt wurden, sowie auf den berühmten Schembartlauf des 15. Jahrhunderts. In aufwendigen Kostümen und freundlichen Holzmasken zogen die Läufer in einem prunkvollen Umzug durch die Stadt.
Ein zentrales Element der Ausstellung sind die historischen Schembartbücher, die zahlreiche Zeichnungen der Läufer zeigen. Einzelne modische Details sorgten für Schmunzeln und Aha-Momente: Sehr enge oder extrem weite Hosen, teils mit Schlitzen versehen, waren schon damals en vogue. Der Vergleich mit heutigen Trends wie zerrissenen Jeans drängte sich für einige von uns förmlich auf.
Wissbegierig lauschten wir den Ausführungen unserer Museumsführerin, die uns stets Raum für eigene Bemerkungen und Fragen ließ. Einer unserer Teilnehmer brachte eine feministische Perspektive auf die Tradition ein und wies kritisch darauf hin, dass in den Darstellungen offenbar ausschließlich Männer als Schembartläufer erscheinen. Ein wichtiger Denkanstoß, der dazu einlud, die historischen Inhalte aus heutiger Sicht zu reflektieren.
Im Rahmen der Führung fanden zudem Persönlichkeiten und Werke wie Andreas Osiander sowie das „Narrenschiff“ Erwähnung. Sie verdeutlichen den zeitgenössischen Umgang mit Narrheit, Moral, Religion und Gesellschaft.
Der Besuch verband historische Tiefe mit lebendigem Austausch und machte die Ausstellung für alle Teilnehmenden barrierearm und gemeinschaftlich erfahrbar.
